Orlando Owen

Positiv denken

“Denke positiv”
“Ich motiviere Dich”
“Du musst frei von jedem Zweifel sein” 

… sagen Dir heute alle Motivationstrainer, die wie Pilze aus dem Boden schießen… 

Doch was sich zunächst nach einem gut gemeinten Ratschlag (oder gar echter Lebensweisheit) anhören mag, entpuppt sich bei näherem Hinsehen schnell als gefährliche Falle.

gefährliche Falle

Warum positiv denken?

Motivationstrainer

Aus Sicht der Motivationstrainer hat es natürlich Sinn:

Motivationstrainer:  “Deine Gedanken bestimmen, wie Du handelst.
Du willst positive Dinge in dein Leben ziehen? Dann musst Du auch deine Gedanken positiver machen!”

Ich:  “Mag ja alles stimmen… Aber es ist längst nicht die ganze Sache.”

Motivationstrainer:  “Also nimm Dir jetzt diese 3 Affirmationen, und sag sie Dir jeden Tag 10 Mal auf, und dann wird dein Leben besser”

Ich: “Na ja…”

Es ist wie so oft im Leben: “Ein bisschen Wissen ist gefährlich!” 

Und während es stimmt, dass Du zunächst bei deinen Gedanken ansetzen kannst, um dadurch dein Leben mittel- bis langfristig in deutlich bessere Bahnen zu lenken…

… so wirst Du nicht alleine dadurch dort hinkommen, dass Du Dir von morgens bis abends gute Affirmationen aufsagst, in deinem Zimmer herumhüpfst, um Dich “in State” zu bringen, oder  – wann immer es Dir schlecht geht – Dir sagst: “Denk einfach positiv und schon ist alles super!”

So funktioniert das Leben nicht!

Was verhindert positive gedanken?

“Ich bin schön, ich bin reich, ich bin glücklich”… schreibst Du Dir an den Spiegel. 

Aber ein Blick in diesen zeigt Dir bereits sehr schnell die Realität. 

Dein Unbewusstes fährt die Krallen aus und schreit:
“Bist Du nicht! Du bist hässlich und Du kannst nichts! Erfolgreich bist Du auch nicht, sonst hättest Du diese dummen Affirmationen überhaupt nicht nötig!”

Dein Unbewusstes

Denk mal an echte, erfolgreiche Leute…
Denk an Steve Jobs – egal ob Du ihn magst oder nicht! Meinst Du, der musste sich jeden Morgen mit Affirmationen aufpushen?

Nein, er war es einfach! 

Und wenn Du Dir etwas einreden willst, was ganz einfach nicht mit deiner Realität übereinstimmt, dann verarschst Du Dich im Grunde selber, und das wird Dich in den Allerwertesten beißen. 

Das ist wie der typische Motivationsjünger, der dann sagt:
“Meine Mutter ist gestorben, mein Hund wurde überfahren und meine Freundin schläft mit meinem besten Kumpel… aber mir geht’s gut! – Denn ich habe Affirmationen! Mein Leben ist super!”

Wie soll man da positive Gedanken bekommen, ohne sich dabei einfach nur selbst zu verarschen?!

Also sind Affirmationen sinnlos?

Affirmationen

Wenn Du wirklich in den Strom deiner Gedanken eingreifen willst, dann muss es mit deiner Realität überein stimmen. Und Du musst es richtig angehen.

Ja, Affirmationen haben ihren Platz, vor allem in der Achtsamkeits-basierten Therapie, auch CBT genannt (Cognitive Behavioural Therapy).

Aber sie müssen…
1. zu Dir passen, und
2. Du musst sie glauben können.

Und das ist etwas, was den Motivationstrainern leider völlig verloren geht.
Aber selbst wenn sie es wüssten, würden sie es Dir vermutlich nicht sagen, denn dann würdest Du ihnen als Kunde verloren gehen!

Wie funktionieren wirklich gute Affirmationen?

Schauen wir es uns also einmal wirklich an…

Was macht eine gute Affirmation aus? Und wie kannst Du damit dein Leben wirklich, langfristig und dauerhaft verbessern – ohne wie ein Depp unter der kalten Dusche zu stehen und zu schreien?

“Ich bin glücklich! Und mein Leben ist rundum einfach nur super!” – während Du Dir denkst, wie bekloppt das Ganze ist und Du viel lieber eine heiße Dusche hättest!

Gute Affirmationen statt positiv denken

Stell Dir vor, Dir geht es wieder einmal nicht so gut. Vielleicht ist irgendetwas schief gelaufen, Du hast etwas verpatzt, oder vielleicht wurdest Du von deinem Date versetzt… Du fühlst Dich eher am Boden. Und denkst Dir: “Fuck, ich bin ein Loser, ich kriege nichts auf die Reihe!”

Was würde ein Motivationstrainer versuchen? – Er geht ins andere Extrem: “Ich bin super, und alle meine Wünsche kommen anstrengungslos zu mir!” …
Das ist total übertrieben und offensichtlich stimmt das ja nicht!

Der Weg des Wassers

der Weg des Wassers

Geh es stattdessen ganz anders an:
Mach es wie das Wasser – ohne harten Widerstand – ohne riesengroße Sprünge! Denn die kannst Du eh nicht schaffen, Du würdest eher auf die Nase fallen.

Geh stattdessen nur einen kleinen Schritt!

Gerade warst Du noch bei: “Ich bin ein Loser, ich kriege eh nichts auf die Reihe”… Das ist gerade die Baseline. Und das ist okay! Denn Du sollst nicht für immer dort bleiben. Und wir schauen uns an, was Du von da aus als nächstes machen kannst.

Es könnte ja auch ein kleines bisschen weniger schlimm sein:
“Vielleicht bin ich ja nicht immer ein Loser?” – Das wäre doch schonmal ein kleiner Fortschritt, oder?

Und sicherlich einer, den Du hundert Mal mehr glauben kannst als: “Ich bin der größte, und alles ist toll in meinem Leben” – Das mag für einen Moment halten, aber beim ersten Windstoß fällt das Kartenhaus auch wieder in sich zusammen. Weil es kein Fundament hat.

Solides Selbstwertgefühl

Kognitive Neuverdrahtung

Das hier ist natürlich nur der absolute Schnelldurchgang…

Denn in einem kurzen Artikel kann ich Dir leider nicht die ganze Sache geben, wie Du dein Selbstwertgefühl aufbauen kannst und deine tiefen Glaubenssätze über Dich selbst wirklich dauerhaft erlöst und mit besseren ersetzt…

Das füllt in meinen Workshops alleine 3 Tage. Und selbst da sind wir nur am Anfang der ganzen Geschichte.

Aber lass es mich heute Mal damit abschließen:
Du musst nicht sofort bei jedem kleinen Gedanken in positives Denken verfallen.
Ganz im Gegenteil, negative Gedanken sind durchaus einmal okay!

Und viel besser als sofort in “Himmelhoch jauchzend” zu springen – was im Grunde manisch-depressiv ist – wäre es, erstmal ganz leicht anzufangen, den Gedanken in Frage zu stellen. Denn oft reicht es bereits, wenn es ein bisschen weniger schlimm ist, als Du zunächst gedacht hast.

Neuverdrahtung

Man sagt, es dauert 30 Tage, bis sich eine Verbindung in deinem Gehirn neu verdrahtet.

Und immer wenn Du Dir denkst: “Ich bin einfach nur schlecht.”
… dann sag Dir: “Vielleicht bin ich ja nicht total schlecht!”

Mach es genau so für den Zeitraum von 30 Tagen. Das wirkt zwar wie ein winziger Schritt – für 30 Tage – aber vielleicht kannst Du dann den nächsten Schritt gehen und danach sagen: “Vielleicht bin ich ja manchmal nicht wirklich schlecht?”

Und dann nach 30 weiteren Tagen: 
“Vielleicht bin ich ja manchmal sogar ein kleines bisschen okay?” 

… und so weiter und so fort.

Das ist viel kraftvoller, als zu versuchen direkt nach oben zu springen – was per Definition scheitern wird, und muss!

Sei also gnädig mit Dir selbst, und geh das Ganze in Babyschritten an.
Und verzeih Dir, wenn es einmal nicht sofort klappt… Nur weil der Motivationstrainer behauptet, es müsste so gehen – ohne es beweisen zu können – heißt das noch lange nicht, dass es für Dich funktioniert.

Dein Orlando